Zeit für Bilderwelten
30. März 2010
Die 908video GmbH, mit Sitz in Berlin-Kreuzberg, realisiert seit über sechs Jahren Filmprojekte im Bereich TV-Werbung, Internet, Event, Corporate und Image. Unter den Fittichen von Steffen Baumgart und Ron Geipel arbeiten insgesamt zwölf Mitarbeiter auf 360 Quadratmetern an aktuellen Projekten im Bereich Bewegtbilder. Jüngst präsentierte 908video sein Studio auf der firmeneigenen Homepage in 3D.
von Samuel Ernst
Wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise müssen Unternehmen häufig kleinere Brötchen backen, um überhauptüberlebensfähig zu sein. Das Unternehmen 908video setzt dabei auf den Trend von morgen, um Kunden von der zukünftigen Technologie zu überzeugen. „3D ist nicht nur seit den erfolgreichen Kinofilmen wie ‚Oben‘ oder ‚Avatar‘ im Kommen. Auch 3D-Monitore und Fernseher faszinieren den Endabnehmer immer mehr und zeigen, dass auch hier ein Markt mit Nachfrage existiert“, erklärt Steffen »Das menschliche Auge ist hungrig nach Neuem!« Ron Geipel Baumgart, Geschäftsführer von 908video. Ebenso möchte man dem potenziellen Kunden die neuartige Technologie schmackhaft machen. Unter www.908video.de kann jeder Interessierte bequem am eigenen PC mit einer anaglyphischen 3D-Brille das Studio dreidimensional betrachten.
Die beiden Geschäftsführer im Gespräch
DIGITAL PRODUCTION befragte die beiden Geschäftsführer Steffen Baumgart und Ron Geipel über den aktuellen 3D-Hype, die Zukunftsaussichten in der Medienbranche und die Konzeption des 3D-Studios.
DP: Herr Baumgart, 2004 haben Sie mit Ihrem Partner das Studio 908video gegründet. War es nicht anfangs schwer, Fuß zu fassen?
Steffen Baumgart: Nein. Bevor sich unsere Wege kreuzten, hatten wir beide schon einige Jahre freiberufl ich gearbeitet. Als wir uns dann zusammenfanden, brachte jeder ein paar Kontakte mit; somit wurde es nie langweilig. Mit zunehmenden Jobs kamen nach und nach mehr Leute dazu. Ich würde sagen, wir haben eine gesunde Entwicklung durchlaufen und uns der wachsenden Joblage angepasst. Wir hatten das Glück, in den vergangenen Jahren und auch jetzt noch mit großartigen Partnern zusammenzuarbeiten. Gemeinsam haben wir spannende Projekte realisiert, an denen wir stetig gewachsen sind. Seit wir uns kennen, ging es mit 908video stetig bergauf und wir hoffen, dass es so weiter geht!
DP: Herr Geipel, warum haben Sie sich damals entschieden, eine Design/Video/Sound-Firma zu gründen?
Ron Geipel: Nun ja, diese Entscheidung hat es so nie gegeben. Ursprünglich entspringt 908video eher der Postproduktionsschiene. Über die Jahre haben wir aber viele Leute kennengelernt, die unseren Projekten durch die Zusammenarbeit immer wieder frischen Wind und neue Richtungen gegeben haben. Dazu gehören unsere Kunden, für die wir immer wieder neue Aufgaben lösen durften, aber auch kreative Talente, mit denen wir die Projekte umsetzten.
DP: Für was steht der Name 908video?
Steffen Baumgart: Der Name entstammt Rons früherem Künstlerdasein und obwohl wir heute überwiegend Werbeprojekte realisieren, ist der Draht zur Kunstszene noch immer da. Mittlerweile steht 908video für vieles. Wir sind ein kreatives Team mit hohem Qualitätsanspruch, sprich eine gute Mischung aus Technik und Innovationen. Unser neues Kreuzberger Studio bietet dafür ein perfektes Umfeld.
DP: Heute arbeiten über zwölf Mitarbeiter bei Ihnen. An was arbeiten Ihre Mitarbeiter denn genau? Welche Teams für Video, Audio und 3D gibt es?
Ron Geipel: Unsere Stärken liegen ganz klar im Bereich 2D/3D motion design. Doch heute braucht es mehr als nur das. Wir haben gerade einen Zusammenschluss mit einer kreativen Filmproduktion hinter uns. Damit haben wir jetzt nicht nur die Möglichkeit, komplette Drehs durchzuführen, sondern unser Team auch in den Bereichen Konzept und Entwicklung verstärkt.
Ron Geipel: Viele unserer Projekte sind eigentlich Hybriden, also gedrehtem Material und komplett computergenerierten Elementen. Wir realisieren komplette Drehs, oft mit Schauspielern vor Greenscreens, und bauen anschließend eine Welt aus 3D und motion graphics drumherum. Viele Jobs sind aber auch komplett am Rechner entstanden. In der Regel geht es mit unseren Conceptionern los, die schreiben die Story. Dann geht es an die Recherche, anschließend, werden Designs entwickelt und wenn nötig der Dreh organisiert. Steht das Design, dann legen unsere 3Dler und After Effectsler los und bringen Bewegung ins Bild. Je nach Bedarf werden allerdings auch intern die Rollen getauscht, damit sich die Multitalente unter uns in verschiedenen Bereichen austoben können. Und nicht zu vergessen: Wir haben unseren eigenen „Alice-Mozart-Cooper“. Jan, unser Komponist und Sounddesigner zaubert uns in einem Moment eine tränenrührende Sonate, und eine Stunde später schmettert er uns ein Gitarrenriff hin, dass uns die Ohren abfallen. Für unsere Arbeit ist es ein enormer Zugewinn, ein eigenes Tonstudio direkt im Haus zu haben.
DP: Mit welcher Software arbeiten Sie hauptsächlich?
Steffen Baumgart: Microsoft Offi ce und Corel Draw. Nein – kleiner Spaß. Überwiegend arbeiten wir mit After Effects, Final Cut Studio, Cinema 4D und planen gerade den Umstieg zu Maya.
DP: Wie wurde das 3D-Studio auf der Homepage realisiert?
Ron Geipel: Grundlage für die Arbeit waren Fotos, die Steffen mit einer Nikon auf Stativ und einem Stereoschlitten gemacht hat. In Cinema 4D sah der Arbeitsablauf wie folgt aus: Zunächst haben wir die Linsenverzerrungen temporär ausgeglichen, dann die 3DKameras kalibriert (das Photomatch Plug-in von Arndt von Koenigsmarck war da sehr hilfreich), die Räume grob nachmodelliert und als xref gesichert, zwei Renderszenen erstellt, in welchen die Fotos getrennt (links/rechts) projiziert werden, im xref Objekte modelliert und animiert, Environments für Refl exionen geschaffen und abschließend gab es Testrenderings mit Nachkalibrieren.
Steffen Baumgart: In After Effects haben wir dann das Compositing, einige Zusatzelemente und das Grading umgesetzt (die erste und die letzte Szene sind komplett in AE gebaut). Das Grading ist natürlich so eine Sache beim anaglyphischen Verfahren.
DP: 908video arbeitet zudem an internationalen Projekten. Welches Projekt hat dabei für Sie eine wichtige Rolle gespielt?
Steffen Baumgart: Anna Sui – Night of Fancy ist ganz klar eines unserer Lieblingsprojekte. Ein Monat Arbeit für 20 Sekunden Werbespot, komplett computergeneriert. Toll war die Freiheit, die wir bei der Ideenfi ndung und Konzeption hatten. Das sind die Jobs, die uns vor allem Spaß machen, denn dort können wir uns im Geiste austoben und die Ideen dann umsetzen. Das Spannende an dem Projekt war die Kombination verschiedenster Techniken. Es wurde eine Unmenge an Bildern in Photoshop bearbeitet und etliches in Illustrator neu kreiert. Der Pfau, einige Pfl anzen und der Flakon wurden in 3D realisiert; der ganze Rest entstand in After Effects. Da haben wir dann auch alles zusammengefahren und die Kamerafahrt durch diese Wunderzauberwelt gebaut.
DP: An welchem Projekt arbeiten Sie zurzeit?
Ron Geipel: Momentan arbeiten wir wieder an einem Projekt für Escada. Ein poppiger und sehr fantasievoller, komplett animierter Zweiminüter, in dem realgefi lmte Silhouetten durch Gärten, Paläste und abendsonnengetauchte Strände schlendern. Wir planen in naher Zukunft eine interaktive Webpräsentation komplett in Stereoskopie umzusetzen und suchen dafür auch noch Partner.
DP: Erläutern Sie bitte, warum Sie denken, dass 3D die Zukunft ist?
Ron Geipel: Nun ja, nach der MTV-Ära und dem unbeschränkten Zugang zu Bildmaterial im Netz ist das menschliche Auge natürlich hungrig nach Neuem. 3D und gerade die Stereoskopie haben uns da noch einiges zu bieten. Nach einigen Jahrzehnten Medienzeitalter schreien wir doch auch alle schon nach Revolution, oder nicht? Holografie und projizierte Werbung zum Anfassen werden ihre Interessenten finden.
DP: Wo sehen Sie die Zukunft Ihres Unternehmens?
Steffen Baumgart: Unsere Stärke ist es, viele unterschiedliche Anforderungen erfüllen zu können. Dieses gilt es weiter auszubauen. Außerdem wollen wir uns durch Forschung und neue Techniken sowie durch Design und Kunst zu einem Unternehmen entwickeln, das den Kunden rundum befriedigt. Darüber hinaus wollen wir neue Akzente setzen, ohne dabei unsere frische und unprätentiöse Art zu verlieren.
Ron Geipel: Am meisten Spaß macht es, wenn möglichst viele Mitglieder unseres Teams in einem Projekt gemeinsam an einem Strang ziehen. Wir nehmen uns gerne viel Zeit, um unvergessliche Bilderwelten zu schaffen. Hoffentlich werden wir weiterhin so spannende Projekte und immer wieder neue Herausforderungen erleben dürfen.
Der Artikel ist in dem Magazin »DIGITAL PRODUCTION Magazin für Postproduktion & Visualisierung«erschienen.